Kaufimpuls

„Wenn ich ehrlich bin, dann kann ich nicht genau sagen, warum ich diese Aktie gekauft habe. Plötzlich war dieser Impuls in mir. Ich habe ihm einfach nachgegeben und gekauft.“

„Aber eigentlich wollte ich noch abwarten und den Markt beobachten“, so ein Kleinanleger mit dem ich gestern sprach. Doch gestern Abend hatte ich ein wenig Zeit. Die Arbeit war erledigt, meine Frau bereitete das Abendessen vor und ich saß noch im Büro.“, erzählt er weiter. „Ich beobachte den Markt aufmerksam“, sagt er. „Der Trend geht abwärts, vielleicht haben wir aber auch schon den Boden gefunden. Ich bin mir nicht sicher“, beschreibt er seine Markteinschätzung.

Impuls und Verstand

Er erzählt weiter: „Auf meiner Watchlist steht Nintendo. Mit einer guten Dividendenrendite und einem KGV von ca. 12 ist Nintendo im Vergleich zu anderen Unternehmen eigentlich zu hoch bewertet. Hinzu kommt ein hoher Verschuldungsgrad. Andererseits glaube ich an den Erfolg von Wii. Mein Fazit lautete abwarten und beobachten.“ So beschreibt der Kleinanleger seine Analyse.

Und trotzdem hat er gestern Nintendo gekauft. In einem fallenden Markt ist Nintendo gestiegen. In diesem Moment kam aus seinem Inneren dieser Impuls. Er setzt nun auf steigende Kurse, obwohl es keine neunen Informationen gab. So wie diesem Kleinanleger geht es vielen. Man kauft häufig aus einem Impuls heraus, der dem entgegen steht, was man ursprünglich entschieden hatte. (in diesem Fall: beobachten). Ein Widerspruch!

Ist es Ihnen auch schon so ergangen? Wenn ja, dann haben Sie bereits den ersten Schritt in die richtige Richtung getan. Sie haben erkannt, dass sie unüberlegt gehandelt haben. Die Erfahrung zeigt aber, dass nur überlegtes Handeln zum Erfolg führt.

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Skrzypek on November 19th 2008 in Emotionen, Entscheidung, Psychologie

Kurseinbrüche in Prozent und Dauer

Wie es scheint, gibt es einen linearen Zusammenhang zwischen der Höhe der Verluste und der Dauer einer Abwärtsbewegung. Mit anderen Worten. Je höher die Verluste ausfallen, desto länger dauert eine Baisse.

Psychologisch interessant sind die Möglichkeiten einen Crash auf verschiedene Weise zu betrachten. Fragen Sie nicht nur danach, wie tief es noch abwärts gehen wird, sondern auch danach wie lange die aktuelle Bewegung noch andauern wird. Nicht nur für Trader ist diese Art der Sichtweise einen Gedanken wert.

Betrachten Sie doch einmal diese Grafik. Zusammengefasst sind hier alle großen Abwärtsbewegungen in Deutschland und Amerika. Senkrechte Skala: Höhe der Verluste, waagerechte Skala: Zeitraum der Abwärtsbewegung. ”Dax 1998″ bedeutet beispielsweise, dass im Jahr 1998 der Dax um ca. 40% zurück ging. Diese Periode hielt etwa acht Wochen an. Für Dax, Dow und TecDax 2008 ist der Tiefpunkt Ende Oktober 2008 maßgebend. 

Crash, Kurseinbrüche in Prozent und Wochen

Bitte! Sehen Sie diese Darstellung nicht als ausgefeilte Analyse. Ich habe die Daten nur augenscheinlich in ein Tabellenkalkulationsprogramm eingegeben. Es gibt keine Garantie auf Vollständigkeit und schon gar keine statistischen Auswertungen.

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Skrzypek on November 3rd 2008 in Börse, aktuelles

Verwirrung durch Volkswagen im Oktober 2008

Im Folgenden beschreibe ich ein Beispiel wie einem Kleinanleger der Verstand abhanden gekommen ist und er wider seine Überzeugung in das große Spiel mit Volkswagenaktien einstieg, die gestern Abend mit ca. 950,- Euro aus dem Handel gingen. Mein Bekannter, ein Kleinanleger ist eigentlich fest davon überzeugt, dass man langfristig in solide Aktien investieren soll. Daytrading ist etwas für Zocker und wohin sich die Volkswagen-Aktie in den nächsten Tagen und Wochen entwickeln wird, kann wirklich niemand sagen – so mein Bekannter vor einer Woche.

Als die Aktie letzte Woche von 250,- Euro kurzfristig über die 400,- Euro-Marke sprang, sagte er: „meine Güte, man sollte bei Volkswagen auf fallende Kurse setzen, denn die Aktien seien ja vollkommen überbewertet. Die müssten eigentlich fallen. Die Aktie fiel schnell wieder auf gut 300,- Euro. Er sagte sich, „wenn die Aktien auf wieder auf 450,- Euro steigen, sollte ich ja mal auf fallende Kurse spekulieren.“ Auch bei 300,- Euro hielt er die Papiere für überbewertet. Insgesamt hatte er aber ein ungutes Gefühl bei der Sache und entschloss sich gegen ein Engagement auf fallende Kurse bei Volkswagen.

In den nächsten Tagen dümpelte Volkswagen bei gut 300,- Euro herum. Am Montag dieser Woche passierte das Unglaubliche. Die Aktie schnellte bis deutlich über 600,- in die Höhe. Ein unfassbarer Vorgang, den sich mein Bekannter weder durch die Gier von Anlegern noch Logik erklären konnte.

„Natürlich könnte er jetzt einsteigen“, schließlich lag der Kurs über seinen anvisierten 450,- Euro, bei denen er ja einsteigen wollte. Das war ihm dann aber doch zu heiß, insbesondere weil die Aktien schnell wieder auf 500,- Euro zurückfielen. Zu mir sagte er noch: „Ich kann mir jetzt auch gut vorstellen, dass die VW-Aktien auch auf 1000,- Euro klettern.“ Allein diese Aussage war eine gewagte Spekulation.

Nur einen Tag später schoss die VW-Aktie kurzzeitig auf unvorstellbare 1000,- Euro. VW war mit einem KGV von 80 bewertet und war kurzeitig die teuerste Aktiengesellschaft der Welt. So etwas gab es noch nie. Ganz plötzlich beschloss er nun doch auf fallende Kurse zu setzen. Diese Entscheidung traf sein Unterbewusstsein. Gestern Abend sagte er dann: Eigentlich hätte ich das nicht tun sollen. Und trotzdem investierte er eine nicht unerhebliche Summe in völlig fern der Realität stehende Volkswagenaktien.

Auf mein Nachhacken, wozu er denn nun doch eingestiegen ist, erklärte er mir, er hoffe auf große Gewinne in kürzester Zeit. “Das sei doch das Entscheidende an der Börse!” “Die Aktien müssen schließlich ins Bodenlose fallen”, so seine Worte. Ich frage mich, warum mein Bekannter nun sagt, die Aktien müssen fallen? Vor einer Woche sagte er, sie müssten eigentlich fallen.

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Skrzypek on Oktober 29th 2008 in Börse, Psychologie, aktuelles

Panik

FinanzpanikAussagen wie „Panik an der Börse“ oder “Wir sind völlig panisch” bestimmen die Schlagzeilen zum Wochenausgang am 24. Oktober 2008. Für mich ist es eine Gelegenheit den Begriff Panik genauer zu beschreiben.

Die Panik ist ein emotional gesteuertes Fluchtverhalten. Sie tritt auf, wenn eine Situation als absolut unkontrollierbar eingeschätzt wird. Merkmale der Panik sind ungenügende Reflexion der Realität und Informationsmangel, Wegfall der Kommunikation und Fehlen von stabilisierenden Absichten, die Panik auch nur ansatzweise zu vermeiden.  Tritt die Panik bei mehreren Personen wie an der Börse gleichzeitig auf, kommt es zu einer Massenflucht, die sich selbst verstärkt.

Ist die Panik abgeklungen, folgt häufig eine Phase der Erschöpfung und Hilflosigkeit, die einher geht mit geringer Motivation irgendetwas zu tun. Für die Börse bedeutet das, dass der Börsenhandel zum erliegen kommen. Das spiegelt sich u. a. in einer geringen Volatilität wider. Die Frage ist nun: Haben wir diesen Punkt schon erreicht, um sagen zu können: Jetzt können wir wider einsteigen?

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Skrzypek on Oktober 27th 2008 in Begriffe, Psychologie, aktuelles

Wahrnehmung von fallenden Kursen

Finanzkrise

Haben Sie schon einmal die Augen verschlossen, wenn in einem Horrorfilm eine besonders unschöne Szene zu erwarten war? Wenn ja, dann haben Sie haben Ihre Wahrnehmung verändert, um einer bedrohlichen Situation aus dem Wege zu gehen.  Bedrohliche Aspekte werden gern ausgeblendet wenn wir nur Beobachter einer Situation sind. Als Filmbetrachter sind wir Beobachter, als Aktienbesitzer ebenso.

Auf welche Art wir Aktienkursbewegungen sehen und einordnen wird also nicht allein durch die Situation bestimmt.  Unsere Wahrnehmung hängt stark davon ab, was wir sehen wollen. Und unangenehme Dinge sehen wir selten gern.

Das gilt besonders für fallende Kurse. Fallende Kurse werden zunächst gar nicht wahrgenommen weil sie ausgeblendet werden. Die Ausblendung fallender Kurse dient dazu, das Bewusstsein vor schmerzhafte Realitäten zu schützen. Das ist ein natürlicher Vorgang.

Doch nur das Eingeständnis von fallenden Kursen versetzt einen in die Lage,  unabhängig zu handeln.

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Skrzypek on Oktober 14th 2008 in Psychologie, aktuelles

der Glaube richtig zu liegen

Der Glaube versetzt Berge, so sagt man – allerdings nicht an der Börse. Wenn Anleger ein Engagement eingehen, dann sind Sie manchmal felsenfest davon überzeugt, dass sie richtig liegen mit ihrer Prognose. Allerdings hat sich oft genug herausgestellt, dass der Glaube der realen Kursentwicklung nicht standgehalten hat. Woran liegt das? Glauben wird von Anlegern allzu gern mit Wissen verwechselt.

Dieser offensichtliche Fehler passiert häufig Anfängern. Aber auch erfahrene Börsianern, die eine ganze Weile lang gute Gewinne eingefahren haben, unterliegen diesem Irrglauben. Schon Platon hat darauf aufmerksam gemacht, dass der Glaube überwunden werden muss, weil er eine nicht effiziente Vorform des Wissens darstellt.

An das Eintreten eines zukünftigen Ereignisses kann man glauben. Man kann es aber nicht mit Gewissheit sagen, denn niemand kann in die Zukunft sehen. Anleger vergessen das unter dem Einfluss ihres Engagements gern. Anders ausgedrückt kann ein Engagement nur eine Wahrscheinlichkeit aufweisen, die unter 100% liegt.

Ist doch klar! Dem wird jeder zustimmen. Trotzdem zeigt die Erfahrung, dass Anleger dies zwar wissen und trotzdem anders handeln. An der Börse setzt der Verstand manchmal aus. Vergessen Sie also nie, dass ein Engagement nur eine bestimmte Erfolgswahrscheinlichkeit hat.

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Skrzypek on August 15th 2008 in Entscheidung, Persönlichkeit

Ärger verhindert Gewinne

Gehören Sie auch zu den Menschen, die sich beim Autofahren oder in der Straßenbahn schon mal ärgern? Regen Sie sich über andere auf? Kennen Sie das Gefühl, dass sich Wut in Ihnen aufstaut? Wenn Sie diese Fragen mit ja beantworten, dann ist das schlecht für Ihre Börsenengagements. Bringen Sie Ihren privaten Ärger nicht mit an die Börse. Das ist eine teure Form des Coachings.

Ärger und Verdruss behindern objektives und erfolgreiches Handeln an der Börse. Genauer gesagt führt Ärger zu übereilten Handlungen, die eigentlich nicht gewollt sind. An der Börse kann das viel Geld kosten.

Wut

Wenn Sie Ihren Ärger aus dem Alltag mit an die Börse bringen, können Sie nicht erfolgreich sein. Ärger und Aggressionen führen zum Tunnelblick. Am liebsten möchte man eine Handlung dann möglichst schnell zu Ende bringen. Sie finden aber nicht das richtige Ventil, um Ihren Ärger abzubauen. Dann werden Sie dazu neigen, an der Börse übereilt zu handeln.

Das nennt man Realisierungszwang. Sie kaufen ein Wertpapier, das eigentlich noch auf Ihrer Watchliste stehen bleiben sollte. Oder Sie trennen sich von einem Wert, weil Sie ein ungutes Gefühl haben. Solch eine Handlung löst vielleicht Ihren Ärger auf, hat aber mit einer objektiven Entscheidung für oder gegen ein Wertpapier wenig zu tun.

Experten raten, mit Aggressionen konstruktiv umzugehen und sie nicht aufzustauen. Umgeben Sie sich mit Menschen, die nicht zu Aggressionen neigen. Sport ist nachgewiesenermaßen eine gute Möglichkeit um Aggressionen abzubauen, machen Sie Yoga oder gehen Sie Ihren Aggressionen auf den Grund. So erhöhen Sie Ihre Gewinnchancen an der Börse.

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Skrzypek on August 7th 2008 in Emotionen, Entscheidung, Persönlichkeit

Sentiment I

Sentimentindikatoren erfassen die Stimmung einer Vielzahl von Marktteilnehmern. Es wird ein massenpsychologisches Phänomen erfasst. Hierzu werden die Einstellungen von Marktteilnehmern erfragt. Aufgrund der erfassten aktuellen Lage ist es dann möglich, Prognosen abzuleiten.

Die Chartlinie eines Sentimentindikator zeigt den mittleren Wert aller Marktteilnehmer an. Zwar wird die Marktstimmung dargestellt, allerdings ist aus den Charts selten die Standardabweichung der Linie zu erkennen. Man kann also nicht sagen, wie zuverlässig dieser Chart eigentlich ist.

Die Bedeutung des Wortes Sentiment ist ist sehr gefühlslastig. Unter anderem wird bei der Erfassung der “Marktstimmung” die Erwartung und die aktuelle Lage erfasst. Diese beruht nicht nur auf Gefühlen, sondern auch aus Erfahrungen, Wissen und Gedanken.

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Skrzypek on Juli 20th 2008 in Begriffe, Marktstimmung, Massenpsychologie, Sentiment

Alle Jahre wieder

Den Medien zufolge scheint die Börse wie ein Rad zu sein, das sich im Laufe der Jahreszeiten dreht. Jedes Quartal weise seine Besonderheiten auf: Spitzenmonate folgten auf Wochen, in denen es heißt „Abwarten und Tee trinken“. bullVestor hat bei Experten nachgefragt, wie viel von den so genannten saisonalen Schwankungen der Wahrheit entspricht und wie viel Mythos ist.

Das Börsenjahr sieht folgendermaßen aus: Während im Frühjahr ein Hoch auf das andere folgt und die Aktienkurse sich gegenseitig überbieten, muss sich der Investor ausgerechnet im Sommer ein warmes Fell anziehen und mit Verlusten rechnen. Das wird jedenfalls von den Medien suggeriert. Als Beleg werden Statistiken aus der Zeit von 1950 bis 2004 angeführt, denen zufolge die Monate November bis April dem Dow Jones einen durchschnittlichen Wertzuwachs von 8% brachten, während in der Sommersaison lediglich ein Ertrag von 0,3% erzielt wurde. Bernd Niquet, Börsenkolumnist und Schriftsteller, lässt das kalt: „Ich kümmere mich wenig um Statistiken. Meine sechsjährige Tochter ist Linkshänderin und will immer von mir wissen, ob sie deswegen klüger ist als andere. Ich sage dann, statistisch ja, aber für dich heißt das nichts.“

Sell in May and Go Away

Einer alten Börsenweisheit zufolge wäre der Mai der beste Zeitpunkt, um seine Wertpapiere zu veräußern. Wieder gibt es Statistiken, wonach man bei Befolgung dieser Strategie wesentlich besser fährt, als wenn man das ganze Jahr über investiert. Niquet meint dennoch: „Dieses Bonmot ist heute so bekannt, dass es sich wohl eher selbst außer Kraft gesetzt hat durch seinen Bekanntheitsgrad.“ Joachim Goldberg, Börsenpsychologe, sieht das ähnlich: „Zyklen sind sehr oft Zufälligkeiten, aus denen Regeln abgeleitet werden. Diese Zufälligkeiten treten sehr selten auf und sind statistisch gesehen kaum haltbar. Natürlich kennt man solche Geschichten wie ,Sell in May and go away’, aber das heißt noch lange nicht, dass man mit ihnen Geld verdienen kann. Stellen Sie sich vor, ich würde mich in Frankfurt auf die Zeil stellen und den Passanten sagen, dass 50 Meter unter mir ein Haufen Gold ist. Das würde sich sofort wie ein Lauffeuer verbreiten, und alle würden mit einem Spaten zu graben anfangen. Vielleicht würden sie Gold finden, aber der Anteil eines Einzelnen wäre so gering, dass es sich nach Abzug der Kosten unter Umständen nicht lohnt.“

Ein Mythos jagt den anderen

Ebenfalls stark strapaziert ist das ominöse „Sommerloch“. Darauf folge der „Horrormonat“ September, erst danach empfange die Börse ihre Aktionäre wieder mit offen Armen und setze zum Jahresendspurt an. Neben einer Tasse Punsch und wohlschmeckenden Plätzchen könne man dann in gemütlichen Wintertagen das Jahr mental abschließen und über neue Investitionen im kommenden Jahr nachdenken, in das die guten Vorsätze projiziert würden. Die Erwartungen, viel Ertrag zu erwirtschaften, würden anfangs erfüllt, denn die Börse habe im ersten Quartal die Spendierhosen an. Diplom-Psychologe Rüdiger Skrzypek erklärt das Phänomen wie folgt: „Ich denke, es ist die Liquidität. Wenn Liquidität vorhanden ist, dann steigen die Kurse, und logischerweise fallen die Kurse, wenn Liquidität fehlt. Zum Jahreswechsel ist Geld vorhanden, weil Gelder aus diversen Quellen frei werden: Da steigt einfach die Börse.“ Fakt ist: Mitarbeiter erhalten am Jahresende häufig von ihren Arbeitsgebern Sonderzahlungen oder es kommt zur Zinsausschüttung festverzinslicher Anlageformen. Diese frei verfügbaren Finanzmittel investiert der Spekulant erneut in den Aktienmarkt. Niquet dazu: „In Hinsicht auf saisonale und zyklische Schwankungen bin ich sehr skeptisch. Natürlich gibt es Effekte wie beispielsweise hohe Zinszahlungen am Jahresanfang, die eine erneute Anlage erforderlich machen, sowie eine ferienbedingte relative Abstinenz im Sommer. Doch ich denke, dass diese Faktoren durch andere Faktoren ,überformt’ werden. Die Psychologie scheint mir entscheidend zu sein, doch diese hält sich gemeinhin an vollkommen andere Zyklen als saisonale. Unsere Psyche suggeriert uns, dass etwas, was lange gut gegangen ist, auch weiter gut geht. Und was lange schlecht war, auch weiterhin schlecht gehen wird.“

Was wäre, wenn …

Damit spricht Niquet den so genannten „Self-fulfilling-Prophecy“-Effekt an. Angenommen, niemand wisse von diesen Schwankungen innerhalb eines Jahres. Was würde dann passieren? Könnte es sein, dass die „Fieberkurse“ der Börse weniger ausschlagen würde, weder nach oben noch nach unten? Könnte es sein, dass man bis zu einem gewissen Grad das Phänomen selbst erzeugt? Indem viele Investoren diesen hartnäckigen Börsenweisheiten Glauben schenken und danach ihre Handlungen an der Börse ausrichten und so eine Kettenreaktion auslösen? Skrzypek ist von dieser These weniger überzeugt: „Meines Erachtens handelt es sich bei der Saisonalität nicht um eine sich selbst erfüllende Prophezeiung. Wenn man nur einen Moment betrachtet, beispielsweise steigende Kurse im Januar, dann könnte es vielleicht zutreffen. Betrachtet man aber ganze Zyklen, dann scheint es mir sehr unwahrscheinlich. Menschen wollen schließlich immer nur steigende Kurse sehen.“

Wie in der Formel 1

Wie auch immer: Den entscheidenden Auslöser für eventuelle saisonale Schwankungen an der Börse scheinen eher Institutionen wie Versicherungen, Pensionskassen oder Fonds zu haben. Diese kann man mit einem Formel-1-Fahrer vergleichen: Sie versuchen am Anfang einen erfolgreichen Start hinzubekommen, um sich einen Vorsprung gegenüber der Konkurrenz zu sichern. Laut Statistiken platzieren Großinvestoren im ersten Quartal 32% ihrer Finanzmittel. Am Jahresende, kurz vor der Ziellinie, muss noch einmal Gas gegeben werden: Rund 30% fließen ins letzte Quartal. Demzufolge stehen für das restliche halbe Jahr, also für den Zeitraum von April bis September, weniger als ein Drittel der Fondsgelder zur Verfügung. Risikobereitschaft spielt hier eine große Rolle: Besonders zu Jahresbeginn zeigen Fondsmanager Mut zum Risiko und handeln aggressiv. Im Verlauf des Jahres nimmt die Risikobereitschaft ab, jeder will seine geernteten Lorbeeren gut behüten, bevor man am Ende des Jahres noch einmal allen Mut zusammennimmt, um das Gesamtergebnis zu optimieren.

Keine Regel ohne Ausnahme

Wenn es um Rohstoffe geht, treffen diese angeblichen Mechanismen allerdings nicht immer zu. Vor allem bei Gold und Öl wird mit etwas anderen Karten gespielt. Zu Jahresbeginn, wenn alle satte Gewinne einheimsen, hält die Goldbranche noch ihren Winterschlaf. Die Vergangenheit zeigt, dass dem Edelmetall in den Monaten Jänner bis Mai meist Verluste zuzuschreiben sind. Doch wenn die Sonnenstrahlen wärmer werden, erwacht das Edelmetall und erstrahlt im vollen Glanz, während bei den meisten Wertpapieren der Performance-Knick zu erwarten ist. Demzufolge wäre es eine interessante Alternative, zu dieser Zeit sein Geld in Gold zu investieren, zumal das Ende der Gold-Rallye beinahe perfekt an den Beginn des alljährlichen Endspurts am Aktienmarkt anschließt. Beim „Schwarzen Gold“ sieht die Lage etwas anders aus: Im Zeitraum von Oktober bis Februar ist traditionellerweise eine mäßige Kursentwicklung zu erwarten, während für den Rest des Jahres von einem Aufschwung in der Ölbranche auszugehen ist. Eines bleibt zu sagen: Der Börsenzyklus beruht auf einzelnen vergangenheitsbezogenen Erfahrungen. „Niemand kann in die Zukunft blicken, und es gibt keine Garantie dafür, dass es immer so sein muss“, so Skrzypek. Es kann sein, dass sich schon morgen alles ändert. Beispiele gibt es genug aus der Vergangenheit. Der Markt hat seinen eigenen Charakter, der sich jederzeit verändern und neue Regeln festlegen kann. Genauso kann sich das Denken der Anleger verändern. „Menschliches Verhalten ist nicht gesetzmäßig, jedenfalls nicht in den entscheidenden und bedeutenden Bereichen. Ein guter Börsianer ist wie ein guter Psychoanalytiker, er ist ein Künstler und kein Wissenschaftler. Er erspürt die Dinge von innen“, ist Niquet überzeugt.

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Skrzypek on August 30th 2007 in Interview, Massenpsychologie, Saisonalität

Verlustbegrenzungen erfordern Mut

Wer kennt das nicht? Ein heftiger Rückschlag der einen umhaut, egal ob beruflich oder privat. Die Folge: unangenehme Gefühle und Niedergeschlagenheit. Man konzentriert sich dann zunächst auf seine Lage und analysiert in Ruhe die Situation: “Bin ich ungerecht behandelt worden oder habe ich einen Fehler gemacht?”

Der Rückgang des eigenen Depot kann auch ein heftiger Rückschlag sein. Insbesondere dann, wenn der Rückgang nicht erwartet wurde. Die Folgen sind die gleichen: unangenehme Gefühle und Niedergeschlagenheit. Nahe liegend ist die Vermutung, dass der Anleger bei seiner Depotauswahl Fehler gemacht hat. Doch wer gesteht sich schon gerne einen Fehler ein? Das Eingeständnis einer falschen Investitionsentscheidung würde die sowieso schon vorhandenen unangenehmen Gefühle aufgrund des Verlusts nur verstärken. Also tut man lieber nichts und wartet ab.

mutig mit Sicherheit

Doch die Börse bestraft Anleger, die im Verlustbereich an ihrer Lage orientiert sind, immer wieder. Wird zu lange gewartet und fallen einzelne Depotwerte weiter, wird der Anleger schnell zum Aussitzer seiner Verluste. Ein Aussitzer lässt seine Verluste laufen und verlängert seinen zeitlichen Investmentumfang während er Werte im Depot hält. Dieses Phänomen wird auch dadurch unterstützt, dass die Niedergeschlagenheit bald durch Hoffnung ersetzt wird: “Bestimmt geht es bald wieder aufwärts”. Damit schützt man seinen Selbstwert und erhält sich ein gutes Gefühl.

Gerade der unerfahrene Anleger ist diesem natürlichem Mechanismus bei den ersten Verlusten hilflos ausgeliefert. Aber es gibt einen Trick diesen Mechanismus zu umgehen. Nur wer sich vor dem Kauf einen Plan zurechtgelegt hat, was im Verlust zu tun ist, hat die Chance dem Aussitzen zu entgehen.

Wie muss so ein Plan aussehen? Zum einen benötigt ein Anleger eine Strategie Verluste zu begrenzen.  Darüber hinaus benötigt er einen Grund – ein Verlaufsmotiv – Aktien zu verkaufen, wenn sie gefallen sind. Das ist einfacher gesagt als getan.

Über Verkaufsmotive zu verfügen bedeutet, die Vorteile des Verkaufs von verlustbringenden Depotanteilen zu kennen. Diese sind: Das aktuelle Vermögen wird gesichert und man hat die Chance sein Geld in bessere Werte zu investieren. Darüber hinaus gewinnt ein Anleger mit jeder Trennung von verlustbringenden Wertpapieren ein Stück Unabhängigkeit von der Marktstimmung.

Die Strategie zur Verlustbegrenzung sind Stop-Loss-Orders. Es gibt nur eine allgemeingültige Regel wie Verlustbegrenzungen zu gestalten sind: Der angestrebte Gewinn sollte größer sein als die Verlustbegrenzung. Darüber hinaus hängen Stop-Loss-Orders vom Risikoprofil des Anlegers und der Volatilität des Wertpapiers ab. Ebenso sollte kein Anleger Stop-Loss-Orders auf runde Zahlen legen, um unerwartete Überraschungen durch hohe Umsätze zu vermeiden.

Das Wichtigste ist, die eigene Verlustbegrenzung vor der Kauforder zu formulieren und sich unter allen Umständen daran zu halten. Dazu bedarf es auch ein wenig Mut, die Hoffnung aufzugeben und sich einen Fehler einzugestehen. Doch das sollte um so leichter fallen, je eher man sich bewusst ist, dass nicht jedes Engagement ein Volltreffer sein kann.

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