Archive for Oktober, 2008

Verwirrung durch Volkswagen im Oktober 2008

Im Folgenden beschreibe ich ein Beispiel wie einem Kleinanleger der Verstand abhanden gekommen ist und er wider seine Überzeugung in das große Spiel mit Volkswagenaktien einstieg, die gestern Abend mit ca. 950,- Euro aus dem Handel gingen. Mein Bekannter, ein Kleinanleger ist eigentlich fest davon überzeugt, dass man langfristig in solide Aktien investieren soll. Daytrading ist etwas für Zocker und wohin sich die Volkswagen-Aktie in den nächsten Tagen und Wochen entwickeln wird, kann wirklich niemand sagen – so mein Bekannter vor einer Woche.

Als die Aktie letzte Woche von 250,- Euro kurzfristig über die 400,- Euro-Marke sprang, sagte er: „meine Güte, man sollte bei Volkswagen auf fallende Kurse setzen, denn die Aktien seien ja vollkommen überbewertet. Die müssten eigentlich fallen. Die Aktie fiel schnell wieder auf gut 300,- Euro. Er sagte sich, „wenn die Aktien auf wieder auf 450,- Euro steigen, sollte ich ja mal auf fallende Kurse spekulieren.“ Auch bei 300,- Euro hielt er die Papiere für überbewertet. Insgesamt hatte er aber ein ungutes Gefühl bei der Sache und entschloss sich gegen ein Engagement auf fallende Kurse bei Volkswagen.

In den nächsten Tagen dümpelte Volkswagen bei gut 300,- Euro herum. Am Montag dieser Woche passierte das Unglaubliche. Die Aktie schnellte bis deutlich über 600,- in die Höhe. Ein unfassbarer Vorgang, den sich mein Bekannter weder durch die Gier von Anlegern noch Logik erklären konnte.

„Natürlich könnte er jetzt einsteigen“, schließlich lag der Kurs über seinen anvisierten 450,- Euro, bei denen er ja einsteigen wollte. Das war ihm dann aber doch zu heiß, insbesondere weil die Aktien schnell wieder auf 500,- Euro zurückfielen. Zu mir sagte er noch: „Ich kann mir jetzt auch gut vorstellen, dass die VW-Aktien auch auf 1000,- Euro klettern.“ Allein diese Aussage war eine gewagte Spekulation.

Nur einen Tag später schoss die VW-Aktie kurzzeitig auf unvorstellbare 1000,- Euro. VW war mit einem KGV von 80 bewertet und war kurzeitig die teuerste Aktiengesellschaft der Welt. So etwas gab es noch nie. Ganz plötzlich beschloss er nun doch auf fallende Kurse zu setzen. Diese Entscheidung traf sein Unterbewusstsein. Gestern Abend sagte er dann: Eigentlich hätte ich das nicht tun sollen. Und trotzdem investierte er eine nicht unerhebliche Summe in völlig fern der Realität stehende Volkswagenaktien.

Auf mein Nachhacken, wozu er denn nun doch eingestiegen ist, erklärte er mir, er hoffe auf große Gewinne in kürzester Zeit. “Das sei doch das Entscheidende an der Börse!” “Die Aktien müssen schließlich ins Bodenlose fallen”, so seine Worte. Ich frage mich, warum mein Bekannter nun sagt, die Aktien müssen fallen? Vor einer Woche sagte er, sie müssten eigentlich fallen.

No Comments »

Skrzypek on Oktober 29th 2008 in Börse, Psychologie, aktuelles

Panik

FinanzpanikAussagen wie „Panik an der Börse“ oder “Wir sind völlig panisch” bestimmen die Schlagzeilen zum Wochenausgang am 24. Oktober 2008. Für mich ist es eine Gelegenheit den Begriff Panik genauer zu beschreiben.

Die Panik ist ein emotional gesteuertes Fluchtverhalten. Sie tritt auf, wenn eine Situation als absolut unkontrollierbar eingeschätzt wird. Merkmale der Panik sind ungenügende Reflexion der Realität und Informationsmangel, Wegfall der Kommunikation und Fehlen von stabilisierenden Absichten, die Panik auch nur ansatzweise zu vermeiden.  Tritt die Panik bei mehreren Personen wie an der Börse gleichzeitig auf, kommt es zu einer Massenflucht, die sich selbst verstärkt.

Ist die Panik abgeklungen, folgt häufig eine Phase der Erschöpfung und Hilflosigkeit, die einher geht mit geringer Motivation irgendetwas zu tun. Für die Börse bedeutet das, dass der Börsenhandel zum erliegen kommen. Das spiegelt sich u. a. in einer geringen Volatilität wider. Die Frage ist nun: Haben wir diesen Punkt schon erreicht, um sagen zu können: Jetzt können wir wider einsteigen?

No Comments »

Skrzypek on Oktober 27th 2008 in Begriffe, Psychologie, aktuelles

Wahrnehmung von fallenden Kursen

Finanzkrise

Haben Sie schon einmal die Augen verschlossen, wenn in einem Horrorfilm eine besonders unschöne Szene zu erwarten war? Wenn ja, dann haben Sie haben Ihre Wahrnehmung verändert, um einer bedrohlichen Situation aus dem Wege zu gehen.  Bedrohliche Aspekte werden gern ausgeblendet wenn wir nur Beobachter einer Situation sind. Als Filmbetrachter sind wir Beobachter, als Aktienbesitzer ebenso.

Auf welche Art wir Aktienkursbewegungen sehen und einordnen wird also nicht allein durch die Situation bestimmt.  Unsere Wahrnehmung hängt stark davon ab, was wir sehen wollen. Und unangenehme Dinge sehen wir selten gern.

Das gilt besonders für fallende Kurse. Fallende Kurse werden zunächst gar nicht wahrgenommen weil sie ausgeblendet werden. Die Ausblendung fallender Kurse dient dazu, das Bewusstsein vor schmerzhafte Realitäten zu schützen. Das ist ein natürlicher Vorgang.

Doch nur das Eingeständnis von fallenden Kursen versetzt einen in die Lage,  unabhängig zu handeln.

No Comments »

Skrzypek on Oktober 14th 2008 in Psychologie, aktuelles

Tracker


Bloggeramt.de www.beliebtestewebseite.de